Der Dom zu Havelberg
Der Havelberger Dom mit seinem Kloster zählt zu den wenigen vollständig erhaltenen romanisch-frühgotischen Anlagen östlich der Elbe. Der Ort, an dem sich der Domkomplex befindet, gewann nach der Schlacht bei Lenzen (929) als Brückenkopf für die Expansion in das slawisch besiedelte Gebiet östlich der Elbe an Bedeutung. 948 erhob Otto I. Havelberg zu einem Bischofssitz. In der Gründungsurkunde erhielt der erste Havelberger Bischof Dudo den Auftrag, eine Bischofskirche zu errichten. Welche Gestalt diese Kirche hatte, lässt sich nur vermuten. Während des Wendenaufstandes 983 wurde sie verwüstet. 1150 bestätigte der Deutsche König Konrad III. mit einer Urkunde die Gründung des Bistums Havelberg und Anselm, einen Prämonstratenserchorherrn, als gegenwärtigen Bischof. Anselm veranlasste den Wiederaufbau des Domes, der am 16.August1170 durch den Magdeburger Erzbischof Wichmann geweiht wurde. Der romanische Bau war eine langgestreckte, ursprünglich flach gedeckte dreischiffige Pfeilerbasilika. Der Westquerriegel stellt in seiner Form eine Reduktion der großen Westwerke des 9.Jahrhunderts dar. Er wurde in Bruchstein aus Plötzkyschem Quarzit errichtet. Ende des 12.Jahrhunderts erhielt er ein Geschoss aus Backstein mit einer Glockenstube mit frei gekuppelten Fenstern als Schallluken. 1907/1909 erfolgte eine weitere Erhöhung um ein neuromanisches Geschoss mit fünf Schallluken. Das Langhaus hatte bis zum gotischen Umbau im Mittelschiff wie auch in den Seitenschiffen eine flache Balkendecke. Den Ostabschluss bildete eine Rundapsis in der Breite des Hauptschiffes mit einem erhöhten Chorraum. Im Jahre 1279 wurde der Dom durch einen Brand zerstört. Der Wiederaufbau zog sich bis in das 14.Jahrhundert hin. Es erfolgte kein Neubau, sondern die romanische Substanz wurde in gotischer Überformung wiederhergestellt. Dem Vorbild der Stiftskirche Unser Lieben Frauen in Magdeburg folgend ruhen die gotischen Gewölbe auf Blendarkaden, die an der Innenseite der romanischen Kreuzpfeiler errichtet wurden. Der Umbau erfolgte in Backsteinbauweise, so dass im Innern der Eindruck einer gotischen Backsteinkirche entstand. Das Äußere des Domes ist durch die Spitzbogenfenster, die in die romanischen Seitenschiffmauern eingebrochen wurden, wie auch durch die Spitzbogenfenster des erhöhten Hauptschiffes gotisch geprägt. Den Ostabschluss bildet jetzt eine fünfseitige Apsis. Im nördlichen und südliche Nebenchor erhöhte man die oberen Kapellen und versah sie mit den gleichen Spitzbogenfenstern wie in der Apsis. Die hohen Nebenchöre erhielten an der Nord- und Südseite gotische Ziergiebel. Dadurch wirken die Nebenchöre von Außen wie ein Querschiff. Im Jahre 1330 weihte Bischof Dietrich I. den Hauptaltar des Domes. Die Klosteranlage ist mit dem Dom als Einheit zu betrachten. Der älteste Teil der Anlage ist der romanische Ostflügel, der Konventbau. Er entstand zwischen 1150 und 1170. Beim Bau des ostlichen Kreuzganges Mitte des 13.Jahrhunderts wurde an der Westwand des Konventbaus Veränderungen vorgenommen. Um 1200 entstand der Südflügel als Refekturbau. Im Untergeschoss befanden sich das Winter- und das Sommerrefektorium. Das Sommerrefektorium erhielt im 14.Jahrhundert ein Kreuzrippengewölbe und das Winterrefektorium im 15.Jahrhundert ein Sternrippengewölbe. Ende des 13.Jahrhunderts entstand der Westflügel als Cellarbau (Vorratsbau). Mit ihm entstand der westliche Kreuzgang.


